Die Gründerinnen

Die Gründerinnen…
… bei einem ihrer Treffen

Astrid Becher
Astrid Becher

“Ich bin in Neubeckum geboren, aufgewachsen, zur Schule gegangen, habe hier eine Ausbildung gemacht und meine Kinder groß gezogen… Nachdem ich mit meiner Familie zwei Jahre in Greifswald gelebt hatte und anschließend zurück nach Neubeckum kam, entstand der dringende Wunsch, hier vor Ort etwas zu tun, den Ort mit neuem Schwung zu beleben. Ich träume davon, das Miteinander in Neubeckum zu fördern, gemeinsam Projekte in Neubeckum durchzuführen, ein Bügercafé zu eröffnen, gesunde Nahrungsmittel anzubieten, kulturelle Angebote zu schaffen: Nicht allein, sondern gemeinsam mit Gleichgesinnten. An der Umsetzung dieses Traumes arbeite ich nun gemeinsam mit den anderen Initiatorinnen von Verve!”


Amanda Bailey
Amanda Bailey

“Ende 2016 landeten mein Mann und ich aus beruflichen Gründen in Neubeckum. Als junge Familie wollen wir hier Wurzeln schlagen und fühlen uns in unserer bunten Nachbarschaft zwischen Hauptstraße und Bahnhof gut aufgenommen. Mit meinen neu gefundenen Komplizinnen Astrid, Devrim, Birgit, Sabine, Lydia und Dorit entstand schnell der gemeinsame Wunsch, vor Ort etwas zu bewegen. Wir waren begeistert von der Idee, dem nachbarschaftlichen und kulturellen Leben in Neubeckum mit vereinten Kräften neuen Schwung zu geben. So kamen wir gemeinsam auf den Namen Verve, der genau dies bedeutet: Begeisterung, Schwung!

Ich bin Halb-Amerikanerin, die im Ruhrgebiet geboren wurde, viele Jahre in den Staaten lebte, fürs Studium zurück ins Ruhrgebiet kehrte und nun im westfälischen Münsterland sesshaft wird. Sowohl in Amerika als auch im Ruhrgebiet habe ich gelernt, wie bereichernd es sein kann, wenn Andersartigkeit, Elan, Gutmütigkeit und Positivität aufeinander treffen, wenn unterschiedliche Kulturen, Generationen und Hintergründe auf positive, kreative Weise zusammenkommen und ihre Fähikeiten produktiv machen. Auch in Neubeckum leben die unterschiedlichsten Menschen allen Alters, diversester Herkunft, mit den unterschiedlichsten Expertisen und Fähigkeiten. Diese Vielfalt ist wie ein schlummernder Schatz, der, wenn wir ihn gemeinsam wecken und pflegen, zu einer großen Bereicherung und kreativen Belebung des Stadtteils führen kann.

Als Kunst- und Kulturschaffende freue ich mich, meine Energie und Fähigkeiten in Neubeckum einzubringen und bin überzeugt, dass wir mit vereinten Kräften das Leben hier voran bringen können. So hoffe ich, dass wir noch viele andere engagierte Nachbar*innen vor Ort begeistern und bewegen können, bei unserer Initiative mitzumachen und unsere ersten Ideen mit uns gemeinsam weiter zu entwickeln.”


Dorit Berenbrinker
Dorit Berenbrinker

“Ich habe Neubeckum vor 20 Jahren kennen gelernt. Ursprünglich komme ich aus der Gegend um Dresden und bin damals der Liebe halber nach Neubeckum gekommen. Zu der Zeit sah es hier noch etwas anders aus, irgendwie lebendiger. Ich freue mich über die Möglichkeit, gemeinsam mit den anderen Initiator*innen den liebgewonnenen Stadtteil Neubeckum zu gestalten und zu beleben.

Ich arbeite als Tätowiererin und hatte bis vor kurzem zentral in Neubeckum ein eigenes Studio. Bei dieser Tätigkeit, die viel mit aushalten und auch mit Schmerz zu tun hat, habe ich die Menschen dieses Ortes auf eine ganz private Weise kennen gelernt. Seitdem möchte ich zusammen mit Sabine einen Trauerkreis machen, in dem die Menschen hier in einem ganz privaten und geschützten Rahmen sich über die Dinge austauschen können, die sonst im Dunkeln bleiben. Mit eigenen Räumen können wir dafür eine Gelegenheit schaffen.

Auch meine kreativen Seiten möchte ich gerne in unsere Initiative einbringen: illustrieren, zeichnen, malen und kreatives gestalten und noch viele andere Dinge.”


Lydia Friesen
Lydia Friesen

“Derzeit studiere ich Wirtschaftsingenieurwesen und bin kurz vor dem Abschluss. Vor vielen Jahren bin ich aus Sibirien nach Deutschland gekommen, zunächst nach Ostdeutschland, später nach Neubeckum.

Kochen und backen sind meine Leidenschaften. Leider schafft meine Familie nicht so viel, wie ich gerne zubereiten würde (Lydia lacht)! In einem Café kann ich mich ausleben und auch andere Menschen mit Köstlichkeiten verwöhnen. Hochwertige Lebensmittel sind dabei für mich die Grundvorraussetzung. Eine Food-Coop bietet da eine kostengünstige Möglichkeit, qualitativ sehr gute Lebensmittel zu vernüftigen Preisen zu bekommen. Je mehr Menschen dabei mitmachen, desto besser. Wir sparen nicht nur Zeit und Wege, sondern tun noch etwas Gutes für unsere Umwelt. Wir könnten jede Menge Verpackung einsparen. Das wäre unser Beitrag für ein sauberes Neubeckum.

Ehrenamtlich gebe ich Nachhilfe in den Fächern Mathematik und Physik im Freizeithaus Neubeckum. Es ist mir wichtig, einen Ort in Neubeckum entstehen zu lassen, an dem wir alle uns wohl fühlen können, uns treffen, miteinander reden, uns zur Seite stehen und uns helfen, wenn wir das brauchen.”


Devrim Güler
Devrim Güler

“Vor 24 Jahren zog ich aus der Großstadt Adana im Süden der Türkei nach Beckum, der Heimatstadt meines Mannes. Bald darauf gründeten wir eine Familie und zogen einige Jahre später in den Stadtteil Neubeckum. Ich fühle mich wohl hier in meiner Nachbarschaft und freue mich über die neu entstandene Gemeinschaft mit den anderen Frauen von Verve!. Ich liebe es zu kochen und zu backen! Mit Kindern zu arbeiten, ist das, was mich erfüllt! Ich möchte gerne etwas eigenes machen, außerhalb von Familie. Unsere türkische Familienbindung ist sehr stark und das ist toll, weil es mir Halt im Leben gibt und mich mit Sinn erfüllt. Diesen Sinn für Gemeinschaft möchte ich auch außerhalb von Familie mitgestalten. In unserer Nachbarschaftsinitiative Verve! sehe ich für mich die Möglichkeit, mich zu verwirklichen und den Stadtteil mitzugestalten.

Ich hatte zwei Jahre lang ein eigenes Kebab Haus, das sehr beliebt war hier in der Umgebung. Gerne würde ich meine Erfahrungen aus dieser Zeit in das Nachbarschafts-Café einfließen lassen. Einige Male im Jahr gebe ich Kochkurse an der VHS in Beckum. So etwas möchte ich gerne auch in Neubeckum in unserem zukünftigen Nachbarschafts-Café machen. Ich stelle mir vor, eine Reihe internationaler Kochabende zu machen, in dem wir uns einen Abend lang einem anderen Heimatland von uns Gründerinnen widmen. Im Freizeithaus Neubeckum und im E-Werk in Beckum habe ich in den letzten beiden Jahren schon mit Kindern gearbeitet. Ich möchte das gerne in unseren eigenen Räumen weiterführen und dort gerne mit Kindern kochen und backen und viele andere schöne und kreative Dinge machen.”


Birgit Günnewig
Birgit Günnewig

“Wenn ich meiner Tochter von meinen Kindheitserinnerungen erzähle, kann sie es sich nicht vorstellen, daß in jedem leerstehenden Geschäft ein Laden war, daß alle Schaufenster schön dekoriert waren, daß es eine große Spielzeugecke gab, wo man sich verstecken und aufhalten konnte, wenn die Eltern eingekauft haben oder mal Langeweile aufkam, daß bei Karneval oder Schützenfest die Hauptstraße oder der Rathausplatz voll mit Neubeckumern/innen war, daß es mitten auf der Hauptstraße schöne Kletterbäume gab, daß an der Bank an der Kirche der Treffpunkt der Jugendlichen war, ohne Verabredung, irgendwer war immer da, daß in der Woche alle im Freizeithaus abgehangen haben, daß das Stadtfest bis nach ganz unten ging und viele Leute gekommen sind, daß beim Bühnenprogramm ausnahmsweise die Erwachsenen nicht nach Hause wollten und die Kinder außergewöhnlich lange wach bleiben durften, weil die Eltern Spaß an der Bühne hatten, daß der Marktplatz ein Treffpunkt mit schöner Atmosphäre zu Weihnachten oder anderen Festivitäten für Groß & Klein war. Dort wurde gelacht, gespielt und einfach Zeit verbracht. Live-Musik oder der Schulchor hat für schöne Stimmumg gesorgt. Es gab ein Bewusstsein für Neubeckum, gepflegte Bürgersteige, blühende Beete, gemütliche Kneipen, einen schönen Bahnhof und es gab viele schöne Feste.

Wir haben lange in Münster gelebt und sind dann bewusst nach Neubeckum gezogen. Wenn nicht für die Liebe wofür dann, das war der Hauptgrund. Aber auch ruhiges Wohnen, gute Verkehrsanbindung in alle Richtungen, schöne Steinbrüche und viel Natur. Schnell machte sich der Gedanke breit: Oh je, so wie ich meine Kindheit in Erinnerung habe, ist Neubeckum nicht mehr. Viel Müll auf der Straße, viele leer stehende Geschäfte, wenig Angebote für Jugendliche. Es war auch schwierig, richtig anzukommen in Neubeckum, es hat eine ganze Weile gedauert anzukommen. Einen Job hatte ich in der Pflege schnell. Auch da ist mir aufgefallen, daß ein großer Teil der Menschen vereinsamt und oft keine Zeit ist, um ihren Belangen vernünftig gerecht zu werden. Der Wunsch, etwas verändern zu wollen, aufzustehen und nicht im Erzählmodus zu bleiben, machte sich breit. Mit dieser Idee war ich nicht alleine. Es fügte sich zusammen, was sich zusammen fügen sollte. Verve hat sich zusammengefunden und das Schöne ist daran: Wir sind sieben Frauen mit Tatendrang, vielen Ideen und unterschiedlichen Beweggründen und vielen gemeinsamen Wünschen, etwas in Neubeckum zu verändern.

Wir wohnen seit sechs Jahren wieder in Neubeckum und ja, ich möchte hier bleiben. Meine Motivation ist, der nächsten Generation etwas Schönes zu hinterlassen in dem Bewusstsein, daß meine Tochter sagen kann: Meine Mutter hat nicht nur gemeckert, sie hat etwas getan für meine Zukunft.”


Lyn Dorsch

“Seit 2004 lebe ich nun schon im schönen Münsterland. Groß geworden, wenn man das bei meiner Körpergröße (Lyn lacht) so nennen kann, bin ich als “Großstadtpflanze” im tiefsten Ruhrgebiet und dem Bergischen Land. Nach Hamburg hat es mich auch mal gezogen: ein fröhliches Moin an dieser Stelle!

Gelernt und gearbeitet habe ich als Mediengestalterin und war viele Jahre ehrenamtlich für den Deutschen Kinderschutzbund aktiv. Mittlerweile bin ich in Neubeckum geerdet und möchte das gemeinsame Mit- und Füreinander in diesem Ort etablieren. Mit meiner kreativen und offenen Natur bringe ich mich ein, den Stadtteil Neubeckum mit Leben, Liebe & Trubel zu füllen. Als chronisch kranker Mensch mit Behinderung bin ich bei allen Belangen der Inklusion aktiv dabei und – ganz nach Bedarf und Möglichkeiten – auch in anderen Bereichen. Ich freue mich auf viele gemeinsame Aktivitäten!”


Sabine Martin
Sabine Martin

“Vor 18 Jahren bin ich aufgrund der ruhigen Lage, der günstigen Mieten und der guten Verkehrsanbindung hergezogen. Und mit der Familiengründung einige Jahre später geblieben. Meine Familie war in den 70ern aus Ungarn zugewandert. Aufgewachsen in Süddeutschland zog ich zum Studieren ins Rheinland, ins Ruhrgebiet und schließlich nach Neubeckum. Der räumliche und kulturelle Migrationshintergrund machte es mir oft schwer, die hier gewachsenen Strukturen zu verstehen und mich zurecht zu finden. Mittlerweile bin ich gut in Neubeckum aufgehoben. Gerne hätte ich eine unkomplizierte Anlaufstelle gehabt, einen Wohlfühlort außerhalb der eigenen vier Wände. Und nun bin zusammen mit den anderen sechs Frauen dabei, diesen Ort zu erschaffen, den ich nach wie vor vermisse.

Ich sehe Neubeckum als einen Ort der Gemeinschaft. Als einen Ort, der klein genug ist, dass wir es uns leisten können, unser Sozialleben gemeinschaftlich und solidarisch statt kommerziell zu gestalten.

Warum denn nicht ein Café, mittendrin im Zentrum, in dem wir hochwertige, ausgewählte und selbst hergestellte Köstlichkeiten genießen können? Keine Massenware, keine internationalen Profite. Unsere Kinder sollen sich dort frei bewegen dürfen statt benehmen müssen. Dort möchte ich Gleichgesinnte treffen, mit Ihnen solidarische Nachbarschaft weiter führen. Eine Food-Coop auf die Beine stellen, um weite Wege und Verpackung für die Lebensmittel zu sparen, die wir alle brauchen. Gemeinsam mit Dorit in unseren Räumen einen Trauerkreis anbieten.

Neubeckum ist der Ort, in dem ich nicht einfach nur wohnen und arbeiten, sondern leben möchte. Und dieses Dorf soll ein Ort sein, für den meine Kinder sich irgendwann bewusst entscheiden können als “Hier möchte ich leben!”